Das Wort zum Problembaum

Der Kaufhof macht um zwei Uhr dicht.
Jetzt hätten nur noch Dichter Schicht.

Wenn sich die Sätze reimen sollen,
der Text nicht gar zu sehr verschwollen,
gedanklich schlicht, doch nicht verflacht,
Blieb nicht viel Zeit bis Mitternacht.

Die E-Mail käm jetzt viel zu spät,
weil niemand zum PC mehr geht,
wenn’s Tännchen schon in Flammen steht.

Drum müssten SMS jetzt raus.
Denn Ei- und Smartphones sind nicht aus.
Auf Telefon-Anrufe warten
doch alle nach dem Festtagsbraten.

Da gibt es nur noch ein Problem.
In die Short-Message-Texte geh’n
nicht mehr als 160 Zeichen.
Die können Dichtern niemals reichen!

Dann bliebe noch die Konsequenz,
den Gruß schon mitten im Advent
und – gar nicht cool – zu früh zu schreiben.
Auch dabei sollte es nicht bleiben.

Denn dann wäre es angeraten,
sich vorgedruckte Weihnachtskarten
beim Kaufhof mitten im Gewühl
– trotz Zwischenjahreshochgefühl –
am Grabbeltisch herauszusuchen.
(Und darauf reimt sich dann nur: „Fluchen“.)

Nach Wenn und Ob und hin und her
fiel die Entscheidung uns sehr schwer:
Wir grüßen heute elektronisch
und melden uns bald telefonisch.

Doch! Ganz bestimmt! In Neuen Jahr!
Uns aber ist jetzt erstmal klar,
dass wir schnell einen Glühwein brauchen.
(Diesmal verzichten wir aufs Rauchen.)

Sonst mussten wir nicht viel verzichten.
Was gibt’s noch Gutes zu berichten?
In Deutschland hat die Konjunktur
ein Abo für die Aufwärtsspur?

Das Konsumentenklima ist dies Jahr
viel besser, als es lange war?
Das klingt nur kalt. So kalt wie diesmal
die Welt polit-klimatisch fies war.

Der Kaufhof hat noch nicht geschlossen.
Und wir? Wir reimen fest entschlossen.

Der Regen gießt.
Das Tännchen sprießt.
Der Flüchtling niest.
Der Blutdruck schießt.

Zum Blutdruck sagen wir noch: „Nee!
Hast bisschen viel emem HaGe!“

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